Sonntag, 10. Mai 2026 - 13:00
54. Politischer SonntagSpaziergang: Ab 1933 brannten zuerst die Bücher, dann die Menschen
54. Politischer SonntagSpaziergang
"Ab 1933 brannten zuerst die Bücher, dann die Menschen"
- am Sonntag, 10. Mai 2026,
- um 13:00 Uhr (.. 15:00 Uhr)
- Treffpunkt ab 12:45 Uhr
auf dem WalterMöller-Platz, 60439 Frankfurt am Main (Nordwestzentrum)
(U-Bahn U1+U9, "F-Nordwestzentrum"). - Diskussionsbeiträge der TeilnehmerInnen zu aktuellen Themata sind ausdrücklich erwünscht.
- Impuls und Debatte
- Herzliche Einladung, Teilnahme frei!
- Öffentliche Informations- und Diskussionsveranstaltung
-
Ab 1933 brannten zuerst die Bücher, dann die Menschen -
Schriftsteller:innen, denen wir im Ortsbild begegnen
► 10. Mai 1933 NSDAP, SA und Studentenbund veranstalten in 19 Universitätsstädten Bücherverbrennungen "wider den undeutschen Geist". Auch auf dem Frankfurter Römerberg beteiligen sich daran viele Professoren und Studenten.
Dies ist der Anfang des Wegs in Vernichtung und Tod für 60 Millionen Menschen in Europa.
► 10. Mai 2026 Bei unserem Rundgang durch Niederursel befassen wir uns unter anderem mit Schriftsteller:innen, deren Namen uns hier begegnen: Erich Kästner, Thomas Mann, Gerhart Hauptmann, Marie-Luise Kaschnitz, Paul Kornfeld. Wie reagierten sie auf den Faschismus?
Darüberhinaus zitieren wir aus Werken von Erich Maria Remarque, Anna Seghers, Heinrich Mann und Bertolt Brecht. - "Das war ein Vorspiel nur. Dort, wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen." Heinrich Heine, 1820
Auf dem Frankfurter Römerberg verbrannten am 10. Mai 1933 faschistische Studenten die Bücher von Schriftstellern, Wissenschaftlern, Publizisten und Philosophen.
Das Feuer mit seiner zerstörerischen Kraft steht auch symbolisch für die offen terroristischen Verbrechen, die die faschistische Diktatur Deutschlands an der Menschheit in Europa, der Welt und an den Werten der Aufklärung, Gleichberechtigung und Selbstbestimmung beging - finanziert duch die Harzburger Front und die Reaktion, den Imperialismus und das Großkapital.
Am Abend des 10. Mai 1933 wurden auf dem Römerberg in Frankfurt am Main durch Horden der Frankfurter NS-Studentenschaft - begleitet von zahlreichen Dozenten - Werke von Bertolt Brecht, Heinrich Heine, Erich Kästner, Sigmund Freud und vielen anderen Schriftstellern und Wissenschaftlern verbrannt.
"Die Feuer brannten. Auf dem Opernplatz in Berlin. Auf dem Königsplatz in München. Auf dem Schlossplatz in Dresden. Vor der Bismarcksäule in Dresden. Auf dem Römerberg in Frankfurt. Sie loderten in jeder deutschen Universitätsstadt." Erich Kästner
In den späten Abendstunden des 10. Mai 1933 erhellten brennende Scheiterhaufen deutschlandweit die zentralen Plätze der Universitätsstädte. Studenten in SA-Uniform verbrannten Bücher. Sie schleuderten Werke Hunderter Schriftsteller, Wissenschaftler und Publizisten in die Flammen. Die Bücherverbrennungen waren Höhepunkt der zentral gesteuerten Aktion "Wider den undeutschen Geist".
Die Bücherverbrennungen, die zwischen März und Oktober 1933 im gesamten Reichsgebiet in 92 Städten stattfanden, waren ein Fanal der faschistischen Terrorherrschaft des NS-Regimes. Diesen vorausgegangen waren die Inhaftierung der kommunistischen Reichstagsabgeordneten, das Verbot der SPD, der Reichstagsbrand, die Wahlen am 05. März 1933, die Auflösung des Reichstags und die Zerschlagung der Gewerkschaften am 02. Mai 1933; die zahlreichen Gesetzesveränderungen gar nicht erwähnt, die den legalen Eindruck der Nazi-Herrschaft vortäuschen sollten, in Wirklichkeit allerdings die Aufkündigung des Rechtsstaats bedeuteten. Und an jenem 10. Mai 1933 wurden alle frei ausgehandelten Tarifverträge für Null und nichtig erklärt; die Nazis errichteten die Arbeitsfront.
Erinnerungsarbeit hat ja den Zweck, nicht zu vergessen, was damals geschah, warum es geschah und insbesondere auch, welche Umstände die Machtübergabe an die Nazis begünstigte. Dazu zählen auch die Schwäche, das Zaudern, die teilweise Kumpanei mit und das Anbiedern an die faschistischen Kräfte, die Zerstrittenheit und die falschen Prioritäten der demokratischen Kräfte, von Konservativen, über Liberale, Kirchen und Gewerkschaften. Sich also der Schwächen der Demokraten und der Mächtigkeit der Nazis zu vergegenwärtigen, das gehört zur Erinnerungsarbeit. Zur Erinnerungsarbeit zählt auch und besonders, sich an die Tatorte zu begeben und die Täter zu identifizieren.
<Ab 1933 brannten zuerst die Bücher, dann die Menschen>