Donnerstag, 29. Oktober 2026 - 19:00
Konformistische Revolte. Zur Mythologie des Rechtspopulismus.
Die Frage nach den Ursachen des Rechtspopulismus ist Gegenstand anhaltender Debatten. In Teilen der Linken ist dabei die Tendenz zu beobachten, diesen als lediglich fehlgeleiteten Protest gegen Neoliberalismus und Postdemokratie zu verharmlosen - weshalb auch die Forderung nach einem linken Populismus als Gegenmittel immer mehr Zuspruch erfährt.
Solche Erklärungsversuche erkennen zwar richtig, dass ein Zusammenhang zwischen gesellschaftlicher Krise und "Rechtsruck" besteht. Es fehlt allerdings an einem Verständnis für die irrationale und destruktive Eigendynamik des Krisenbewusstseins, das in der rechtspopulistischen Mythologie zum Ausdruck kommt.
Der erste Teil des Vortrags formuliert eine Kritik an etablierten Erklärungen des Aufstiegs der populistischen und extremen Rechten. Anschließend wird gezeigt, dass Rassismus, identitäre Geschlechtervorstellungen und Untergangs- und Verschwörungsmythen eine Verarbeitungsform der Krise darstellen, die eine Einsicht in ihre ökonomischen Ursachen umgeht und es ermöglicht, die Identifikation mit dem Bestehenden aufrechtzuerhalten.
Leo Roepert ist Soziologe am Fachbereich Sozialökonomie der Universität Hamburg. Seine Forschungsschwerpunkte sind Kritische Theorie, Rechtspopulismus/Neue Rechte, Rassismus und Antisemitismus.
_source_ : message received on 25. Oktober 15 Uhr