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Samstag, 29. Februar 2020 - 11:00

Workshop day: UnsichtbArbeit │ Invisible Work

Gastgeber: Turn the corner und Project.Shelter - Frankfurt

[english below]
UnsichtbArbeit - Perspektiven auf Migration und Arbeit im Kapitalismus

An diesem Workshoptag wollen wir uns gemeinsam die Frage stelle: Wie hängen Kapitalismus und Migration zusammen? Und was bedeutet das für die Lebensrealitäten von Menschen? Die Veranstaltung ist offen für alle und kostenlos. Mehr Infos: www.turnthecorner.de/unsichtbarbeit

Hungerlöhne, unbezahlte Überstunden, Rassismus am Arbeitsplatz und die ständige Angst, Job und Aufenthaltsstatus zu verlieren: So sieht die Realität vieler Migrant*innen und Geflüchteter aus, die in Frankfurt am Main leben und arbeiten. Wo früher sog. Gastarbeiter*innen all jene Arbeiten erledigen mussten, welche Angehörige der Mehrheitsgesellschaft nicht (mehr) übernehmen wollten, so arbeiten heute Menschen mit Migrations und/oder Fluchtgeschichte unter prekären Bedingungen in den Küchen großer Firmen, im Reinigungssektor oder im Baugewerbe. Nicht selten ist ihr Aufenthaltsstatus direkt oder indirekt an ihre Erwerbstätigkeit gekoppelt.

Gemeinsam wollen wir uns mit der Frage auseinandersetzen, welche Rolle migrantische Arbeit im Kapitalismus einnimmt und dabei etwas über die Lebensrealität(en) im Niedriglohnsektor beschäftigter Migrant*innen erfahren. Dabei wollen wir nicht über Betroffene sprechen, sondern mit und von ihnen lernen.

Programm
11:00 - 11:15: Begrüßung
11:15 - 12:15: Keynote
12:15 - 12:30: Vorstellung der Workshops
12:30 - 13:00: Pause
13:00 - 14:30: 1. Workshop Phase
14:30 - 15:15: Pause
15:15 - 16:45: 2. Workshop Phase Abschluss
Ab 16:45: Abschluss

Keynote: Migrantische Arbeit im Kapitalismus

Welche Funktion erfüllen überausgebeutete Migrant*innen und Geflüchtete auf dem deutschen Arbeitsmarkt? Stellen sie die Ausnahme oder die Regel in einem System dar, welches von prekarisierten Arbeitskräften profitiert und diese ständig neu hervorbringt? Was hat das mit dem Gastarbeitsregime der 50er und 60er Jahre zu tun? In der Keynote zur Konferenz wird Serhat Karakayali auf die Bedeutung migrantischer Arbeit im Kapitalismus eingehen.

Dr. Serhat Karakayali arbeitet als Soziologe am Berliner Institut für empirische Integrations und Migrationsforschung (BIM) der Humboldt Universität zu Berlin. Er beschäftigt sich in seiner Forschung u. a. mit migrantischer Arbeit und gewerkschaftlicher Organisation.

In den beiden Workshophasen werden jeweils alle 3 Workshops angeboten - ihr könnt frei wählen, welche ihr besuchen wollt.

I Vertiefung: Migrantische Arbeit im Kapitalismus

Wir möchten uns eingehend mit der Frage beschäftigen, welche Funktion die Arbeit von Migrant*innen innerhalb der kapitalistischen Gesellschaft einnimmt. Insbesondere die Bedeutung von illegalisierten Beschäftigungsverhältnissen und die Veränderungen hin zu einer Dienstleistungsgesellschaft werden zentrale Themen dieses Workshops sein.

Dr. Johanna Neuhauser arbeitet am Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) der Universität Osnabrück. In ihrer Forschung beschäftigt sie sich unter anderem mit den Themen Arbeitsmigration, Geschlecht und Intersektionalität.

II Workshop: Trauma und Ohnmacht - wie Ausschluss das psychische Wohlbefinden von Migrant*innen angreifen kann

Die gesellschaftliche Reaktion auf das, was "Trauma" genannt wird, kann als maßgebend für den weiteren Verlauf seelischer Gesundung verstanden werden. Stabilisierung, Akzeptanz und Sicherheit, in Bezug auf den eigenen Aufenthaltsstatus, sind hierfür notwendige Bedingungen. Menschen, die nach einer Flucht in Deutschland physisch und psychisch anzukommen versuchen, sehen sich häufig gegen läufigen Maßnahmen unterworfen. Zu der bereits im Zuge der Flucht erfahrenen Ohnmacht gesellt sich in der Folge dann eine neue und andauernde Erfahrung des ausgeschlossen seins. Werden diese neuen, auch staatlich organisierten, Ohnmachtserfahrungen im Wissen über "Trauma" nicht reflektiert und bearbeitet, besteht die Gefahr, dass als "Hilfe" etikettierte Maßnahmen wiederum in Gewaltförmigkeit enden können. Diese und weitere Fragen sollen anhand aktueller Stellungnahmen und Traumatheorien diskutiert und kritisiert werden.

Dr. Marcus Balzereit ist Fachreferent für soziale Arbeit bei medico international.

III Workshop: Fighting for our rights - Lebensrealität(en) migrantischer Arbeiter*innen in Frankfurt am Main

Das sog. Ausländerrecht umfasst eine Vielzahl unterschiedlicher Gesetze und Regelungen: Vielen sind bspw. eher die Bedingungen für Menschen, die in Deutschland Asyl beantragen, geläufig. In diesem Workshop werden die Lebensbedingungen und Erfahrungen von Menschen, die unter illegalisierten Verhältnissen arbeiten und leben müssen, sowie derjenigen, die mit ihrem Job auch direkt ihren Aufenthaltsstatus verlieren, im Fokus stehen.

In Zusammenarbeit mit Project.Shelter - Frankfurt. Project.Shelter setzt sich seit über fünf Jahren politisch für die Rechte von durch Obdachlosigkeit bedroht oder betroffenen Migrant*innen in Frankfurt am Main ein. In der Gruppe sind Menschen mit und ohne Migrations- und Fluchtgeschichte aktiv und arbeiten basisdemokratisch zusammen.

Abschluss

Zum Abschluss wollen wir uns in einer entspannten Atmosphäre über die Inhalte des Tages aus tauschen, diese diskutieren und uns vernetzen. Was nehmen wir von der Konferenz mit? Welche Fragen bleiben offen? Wie geht es weiter?

Die Veranstaltung ist offen für alle, kostenlos und findet in Deutsch und Englisch statt - für eine Übersetzung in die jeweils andere Sprache ist gesorgt. Auch für Kinderbetreuung vor Ort ist gesorgt. Getränke und Essen gibt's auf Spendenbasis. Wenn ihr unsere Veranstaltung unterstützen wollt, freuen wir uns über Spenden. Mehr dazu: www.turnthecorner.de/

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Invisible work - Perspectives on migration and work under capitalism

On this workshop day we want to ask ourselves the question together: How are capitalism and migration connected? And what does this mean for the living situations of people? The event is open to all and free of charge. More Information: www.turnthecorner.de/invisiblework

Breadline wages, unpaid overtime, racism at the workplace and the constant fear of losing their job and residence status: This is the reality of many migrants and refugees who live and work in Frankfurt am Main. Whereas in the past, socalled guest workers had to do all the work that members of the majority society did not want to do (anymore), today people with a history of migration and/or flight work under precarious conditions in the kitchens of large companies, in the cleaning sector or in the construction industry. Not infrequently, their residence status is directly or indirectly linked to their employment.

Together we want to address the question of the role of migrant labour under capitalism and learn about the situation of life for migrants employed in the lowwage sector. We do not want to talk about those affected, but rather learn with and from them.

Program
11:00 am - 11:15 am: Welcome Speech
11:15 am - 12:15 pm: Keynote
12:15 pm - 12:30 pm: Presentation of the workshops
12:30 pm - 01:00 pm: Break
01:00 pm - 02:30 pm: 1st Workshop Phase
02:30 pm - 03:15 pm: Break
03:15 pm - 04:45 pm: 2nd Workshop Phase
From 04:45 pm: Final get together

Keynote: Migrant labour under capitalism

What function do overexploited migrants and refugees fulfil on the German labour market? Are they the exception or the rule in a system that benefits from precarious workers and constantly produces new ones? What does this have to do with the guest labour regime of the 50s and 60s? In the keynote to the conference, Serhat Karakayali will discuss the significance of migrant labour under capitalism.

Dr. Serhat Karakayali works as a sociologist at the Berlin Institute for Integration and Migration Research (BIM) at Humboldt University Berlin. In his research he deals, among other things, with migrant work and trade union organization.

In each of the two workshop phases all 3 workshops are offered-you are free to choose which ones you want to attend.

I Discussion: Migrant labour under capitalism

We would like to take a closer look at the question of what function the work of migrants takes on within capitalist society. Especially the importance of illegalized employment and the changes towards a service society will be central topics of this workshop.

Dr. Johanna Neuhauser works at the Institute for Migration Research and Inter- cultural Studies (IMIS) at the University of Osnabrück. In her research she focuses on topics such as labour migration, gender and intersectionality.

II Workshop: Trauma and Powerlessness-how exclusion can affect the psychological well-being of migrants

Already traumatised on their way to Germany, refugees and migrants need stabilisation, acceptance and security-especially with regard to their own residence status-for their psychological recovery. Instead, the already experienced powerlessness is joined by a new, also stateorganized and lasting experience of being excluded. If these experiences of power lessness are not reflected and processed in the knowledge of "trauma", there is a danger that measures labelled as "help" can end in violence.

Dr. Marcus Balzereit is a specialist for social work at medico international.

III Workshop: Fighting for our rights-the living situation of migrant workers in Frankfurt / Main

The socalled aliens law comprises a multitude of different laws and regulations: Many are more familiar with the conditions for people applying for asylum in Germany. This workshop will focus on the living conditions and experiences of people who have to work and live under illegal conditions, as well as those who lose their residence status directly with their job.

In cooperation with Project.Shelter - Frankfurt. For more than five years Project.Shelter has been politically active for the rights of migrants in Frankfurt am Main who are threatened or affected by homelessness. People with and without a history of migration and flight are active in the group and work together in a grassroots democratic manner.

Final get together

At the end of the day we want to talk with each other about the contents of the day and network in a relaxed atmosphere. What do we take from the event? Which questions remain open? What could be politically the next steps?

The event is open to all, free of charge and will be held in German and English - translation into the other language will be provided. Childcare will be provided. Food and drinks are available on a donation basis. If you want to support our event, we would be happy to receive donations.

Who we are:
turn the corner wants to support political and solidarity groups. We also want to discuss and understand societal relations together-to this end, we network with other initiatives in order to jointly overcome division and exclusion.
More Information: www.turnthecorner.de/

_source_ : https://de-de.facebook.com/events/61027304975…