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Samstag, 10. Juni 2023 - 16:00

Demo: Schulter an Schulter gegen Faschismus, Rassismus und Krieg - 85 Jahre FDJ

Demonstration anläßlich des 85. Gründungsjahres!

Ihr aber lernet, wie man sieht, statt stiert
Und handelt, statt zu reden noch und noch.
So was hätt' einmal fast die Welt regiert!
Die Völker wurden seiner Herr, jedoch
Dass keiner uns zu früh da triumphiert -
Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch."

aus: Epilog des Stücks "Der aufhaltsame

Aufstieg des Arturo Ui" von Bertolt Brecht

Im Juni vor 85 Jahren gründeten junge deutsche Flüchtlinge im Pariser Exil eine antifaschistische Organisation neuen Typs: die überparteiliche Freie Deutsche Jugend. Ab 1935 kam es zu ersten regelmäßigen Treffen verschiedener Organisationen. Immer mehr antifaschistische, bündische, jüdische, kommunistische, sozialdemokratische und sozialistische Jugendorganisationen und Unorganisierte schlossen sich zusammen - einige lösten sich später zugunsten der FDJ sogar auf.

Nach dem Regierungswechsel in Frankreich folgte am 8. Mai 1938 die Gründung der FDJ in Prag. Frankreich und Großbritannien jedoch warfen im selben Jahr die Tschechoslowaken dem nazistischen Hitler-Deutschland zum Fraß vor. Dieses Exilland wurde durch den deutschen Imperialismus annektiert und die Flucht setzte sich fort. Dem gewährten Asyl, Schutz sowie den vergebenen - oft lebensrettenden - Pässen ist den Unterstützern in den beiden Ländern zu danken und zu erinnern.

Nach den mörderischen antisemitischen Novemberprogromen gegen die jüdischen Deutschen lockerte Großbritannien, im Gegensatz zu den USA und anderen Ländern, ihre antijüdischen Einreisebestimmungen und ließ im Zuge der "Kindertransporte" Tausende Minderjährige einreisen.Viele von ihnen fanden ein neues Zuhause in der FDJ, während die meisten Verwandten, Eltern, Freunde durch Züge der deutschen Reichsbahn in den sicheren Tod durch Vergasung und Zwangsarbeit verfrachtet wurden.

Später - als Soldaten der britischen Royal Air Force (RAF) - beteiligten sich FDJ-Mitglieder an Abwürfen von Tonnen an Flugblättern (z.B. der Weißen Rose) und Bomben der Freiheit gegen die Mörder ihrer Liebsten.

Selbstverständlich kehrten die meisten FDJ`ler nicht in das Land der Mörder zurück - viele aber schon. Ab 1946 gründeten sich FDJ-Gruppen in den zunächst besetzten vier Zonen.

Die Separatisten unter Adenauer pfiffen auf das Potsdamer Abkommen, rissen Deutschland entzwei und gründeten die BRD. Im Zuge des Kalten Krieges krochen wieder die "entnazten Nazis" ("Der anachronistische Zug oder Freiheit und Democracy" Bertolt Brecht 1947) peu à peu als allen Ritzen bis in die höchsten Stellen von Wirtschaft, Politik, Kirche, Justiz, Polizei, Geheimdienst, Militär, Verwaltung, Uni, Schule, Jugendverwahranstalten etc. Aufgrund der Sammlung von Unterschriften gegen die Wiederbewaffnung der BRD wurde die FDJ 1951 verboten.

In der DDR, die in allererster Linie von den Kämpfern gegen das und Verfolgten des Naziregime aufgebaut wurde, kämpfte die FDJ gegen die braune Scheiße in den Köpfen der Jugend, die ihnen in der HJ und dem BDM eingebläut wurde. Doch im Laufe der Jahrzehnte blieb die Überparteilichkeit auf der Strecke und die FDJ beschloss die Beschlüsse der SED.

Dementsprechend ist die Aussage des Dichters Peter Hacks zu verstehen, der die BRD zur DDR ins gleiche Verhältnis setzte, wie einen faulen Apfel zu einem sauren Apfel.Dass ein saurer Apfel nicht etwas ist, was man unbedingt zurück haben will, ist klar. Dass aus dem faulen Apfel aber kein süßer Apfel wird, versteht auch jedes Kind.

Ronald M. Schernikau, der beide Deutschlands kannte, sagte beim letzten Schriftstellerkongress der DDR: "Die Dummheit der Kommunisten halte ich für kein Argument gegen den Kommunismus… Wenn die Dummheit der Kommunisten die Leute zu Antikommunisten gemacht hat: dann war sie deren furchtbarster Fehler."

Denn solange der Kapitalismus existiert, ist die Wurzel des Faschismus noch nicht vernichtet.Der drohende Faschismus rückt hier aufhaltsam näher. Die Widersprüche zwischen den imperialistischen Staaten nehmen zu. Heute kann keiner sagen, ob Deutschland Krieg führen wird gegen die USA oder gegen Russland, oder gemeinsam gegen China. Die ungleichmäßige ökonomische Entwicklung hat den Wettlauf auf Leben und Tod der eigenen Milliarden verschärft. Die Covid-19-Pandemie wirkt sich darauf als Zeitraffer aus. Der Staatsapparat ist durchsetzt mit organisierten Faschisten. Und er wird mit militärischen Mitteln aufgerüstet gegen uns.

Eine faschistische Partei an der Macht, ob AfD, CSU oder NPD, hätte einen voll willfährigen Staats- und Unterdrückungsapparat, den die NSDAP 1933 erst noch aufbauen musste.

Der Frankfurter Widerstandskämpfer Peter Gingold war einer der Gründer der FDJ vor 85 Jahren. Wenige Jahre vor seinem Todesfall gab er in einem seiner zahlreichen Vorträge den Teilnehmern eines Camps der Jugend der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt folgendesauf den Weg: Der Kampf gegen Faschismus und Imperialismus ist unter den Bedingungen des Faschismus ein ungleich schwierigeres Unterfangen. Wir sollten doch in unserem ureigensten Interesse nicht zu spät beginnen mit dem Kampf ums Ganze. Solche Worte von solch einem Menschen werden nie vergessen werden. Somit werden wir alle unsere Kräfte bündeln müssen, um den Weg gehen zu können, der weniger Mut, Blut und Entbehrung von uns abnötigt, obschon er auch heute noch vielen zu schwer erscheint. Später jedoch werden viele von uns, die - parasitär auf dem Rücken der durch die BRD ausgebeuteten und versklavten Länder und Völker - in der bürgerlichen Demokratie aufgewachsen sind und den Kampf heute noch führen können, den Mut nicht mehr aufbringen können, angesichts einer dann auch nach innen mörderischen faschistischen Diktatur.

Die FDJ Gruppe Frankfurt am Main wird am Donnerstag, dem 10. Juni 2021, eine Demonstration im Gallus durchführen.

Beginn ist um 16 Uhr am Lotte-Specht-Park (Idsteinerstr./Schwalbacherstr.) in der Nähe des ehemaligen Gebäudes der Hauptverwaltung der Deutschen Bahn, woneben eines derjenigen Lokomotiven stand, über die die deutsche Reichsbahn 1942 schrieb: "Räder müssen rollen für den Sieg!" Lasst uns diesmal diese Räder vor dem neuerlich drohenden deutschen Faschismus und Krieg zum Stehen bringen.

Deswegen: Für Revolution und Sozialismus!

Es grüßt: Der Blaue Stachel im Fleisch des Deutschen Imperialismus - seit 85 Jahren!

Es kann in einem Aufruf gegen den Faschismus

keine Aufrichtigkeit liegen,

wenn die gesellschaftlichen Zustände,

die ihn mit Naturnotwendigkeit erzeugen,

in ihm nicht angetastet werden.

Wer den Privatbesitz an Produktionsmitteln

nicht preisgeben will,

der wird den Faschismus nicht loswerden,

sondern ihn brauchen.

Bertolt Brecht

_source_ : message received on 8. Juni 23 Uhr